Nachfolge im KMU: früh planen, sauber übergeben
Warum eine Nachfolge Jahre braucht, welche Formen der Übergabe es gibt und was ein KMU übergabefähig macht: saubere Zahlen, klare Abläufe, getrennte Finanzen.
Irgendwann stellt sich in jedem inhabergeführten Betrieb die Frage: Wer macht weiter? Viele Inhaberinnen und Inhaber schieben sie auf, weil das Tagesgeschäft drängt. Das ist verständlich, aber riskant. Eine Nachfolge braucht Jahre, nicht Monate. Wer früh beginnt, hat die Wahl. Wer spät beginnt, muss nehmen, was sich ergibt.
Viele Betriebe suchen eine Nachfolge
Die Nachfolge ist kein Randthema. Laut Zahlen von Dun & Bradstreet, die das KMU-Portal des Bundes zitiert, suchten 2024 rund 101’427 Unternehmen in der Schweiz eine Nachfolge. Dahinter stehen Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und oft ein grosser Teil der Altersvorsorge der Inhaber.
Die Formen der Übergabe
Eine Studie der Credit Suisse aus den Jahren 2022/23 zeigt, wie Übergaben in der Schweiz verlaufen:
- rund 42 % innerhalb der Familie, meist an Kinder
- 11 % an weitere Verwandte
- 23 % an Mitarbeitende oder das Management
Die übrigen Betriebe gehen an Dritte, etwa an andere Unternehmen oder an externe Käufer.
Jede Form hat eigene Fragen. In der Familie geht es oft um Gerechtigkeit unter Geschwistern und um Erbrecht. Bei Mitarbeitenden stellt sich meist die Frage der Finanzierung, weil selten jemand den Kaufpreis aus eigenen Mitteln bezahlen kann. Bei externen Käufern stehen der Preis und die Prüfung des Unternehmens im Vordergrund.
Welche Form passt, entscheiden Sie nicht allein nach dem Preis. Auch was mit Ihren Mitarbeitenden, Ihrem Namen und Ihren Kunden geschieht, spielt eine Rolle.
Was ein Unternehmen übergabefähig macht
Käufer und Nachfolger wollen verstehen, was sie übernehmen. Ein Unternehmen ist dann gut übergabefähig, wenn es auch ohne die Person an der Spitze nachvollziehbar ist.
Saubere, aktuelle Zahlen
Die Buchhaltung ist die Grundlage jeder Bewertung. Wer seine Zahlen nur einmal im Jahr zum Abschluss anschaut, kann Fragen zu Margen, Kundenstruktur oder Liquidität schlecht beantworten. Gefragt sind mehrere Jahresabschlüsse in guter Qualität und aktuelle Zahlen für das laufende Jahr. Worauf es beim Abschluss ankommt, lesen Sie in der Checkliste zum Jahresabschluss.
Getrennte Finanzen
In vielen KMU vermischen sich über die Jahre Privates und Geschäftliches: das Auto, die Liegenschaft, das Handy der Partnerin, Darlehen hin und her. Für eine Übergabe muss klar sein, was zum Betrieb gehört und was nicht. Nicht betriebsnotwendige Teile wie eine private Liegenschaft in der Firma werden oft vor dem Verkauf herausgelöst. Das braucht Zeit und hat steuerliche Folgen, die geplant sein wollen.
Dokumentierte Abläufe
Wie wird offeriert? Wer bestellt Material? Wie laufen Löhne und MWST? Wenn das alles nur im Kopf des Inhabers existiert, ist der Betrieb schwer zu übergeben. Schreiben Sie die wichtigsten Abläufe auf und verteilen Sie Verantwortung schrittweise auf andere.
Eine Grundlage für die Bewertung
Der Wert eines KMU lässt sich auf verschiedene Arten bestimmen, zum Beispiel über den Ertragswert oder den Substanzwert. Welche Methode passt, hängt vom Betrieb ab. Wichtig ist, dass die Bewertung auf verlässlichen Zahlen steht. Eine Planung für die nächsten Jahre gehört dazu. Wie Sie diese aufbauen, zeigt der Beitrag Liquiditätsplanung für KMU in fünf Schritten.
In sechs Schritten zur Übergabe
- Ziel klären. Wann wollen Sie aufhören? Was ist Ihnen wichtig: Preis, Weiterführung, Arbeitsplätze?
- Zahlen in Ordnung bringen. Aktuelle Buchhaltung, saubere Abschlüsse, getrennte Finanzen.
- Unternehmen vorbereiten. Abläufe dokumentieren, Verantwortung verteilen, Abhängigkeit von Ihrer Person verringern.
- Bewertung erstellen lassen. Eine realistische Preisvorstellung schützt vor Enttäuschungen.
- Nachfolger finden und Übergabe strukturieren. Innerhalb der Familie, im Team oder extern. Dazu gehören Finanzierung, Vertrag und Rechtsform. Manche Übergaben laufen einfacher, wenn der Betrieb vorher als GmbH oder AG organisiert ist; mehr dazu im Beitrag GmbH oder AG gründen.
- Übergang begleiten. Eine Einarbeitungszeit, in der Sie noch erreichbar sind, gibt Kunden und Mitarbeitenden Sicherheit.
Wann Sie anfangen sollten
Am besten, bevor es nötig ist. Wer mehrere Jahre vor dem geplanten Rückzug beginnt, kann Zahlen und Abläufe in Ruhe verbessern und mehrere Varianten prüfen. Wer erst mit dem Verkauf beginnt, sobald die Gesundheit nicht mehr mitmacht, verhandelt aus einer schwachen Position.
Ein erster Schritt kostet wenig: Schauen Sie Ihre Buchhaltung mit dem Blick eines Käufers an. Würde jemand Fremdes verstehen, wie Ihr Betrieb Geld verdient?
Stand: August 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.